Odeon Theater Goslar

Odeon-Theater

Geschichte

Wenige Wochen vor der Jahrhundertwende, am 27.11.1899, wird das Stammhaus des jetzigen Odeon-Theaters als Röttgers Kaisersaal eingeweiht. Der Kaisersaal wird Nachfolgestätte des Marstalls, in dem 1841 das erste Theater eröffnet worden war. 1899 wird dieser Veranstaltungsort aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen. 1947 entschließt sich die Stadt zum Umbau des Kaisersaales. Die Stuckdecken erfreuen sich in diesen Jahren keiner Beliebtheit und werden entfernt. Nur die Bühne und die Außenmauern bleiben als Jugendstilfassade erhalten. Am 1. Januar 1949 wird die Spielzeit im neuen Theater mit der „Lustigen Witwe“ eröffnet und die Ära als Lichtspielhaus beginnt, die bis in die 80er Jahre andauern sollte.

Vom 20. bis 22. Oktober 1950 findet der Gründungsparteitag der Bundes-CDU und der niedersächsischen Landes-CDU unter Konrad Adenauer im Odeon-Theater statt.

Bei einem weiteren Umbau im Jahr 1968 verschwinden auch die Logen des unter Denkmalschutz stehenden Jugendstilgebäudes und die Bühne wird erweitert. Parallel dazu entsteht der Garderobenanbau (Waschbeton), eine neue Heizung und Toiletten runden die Maßnahme ab. 1977 wird letztmalig im großen Stil über acht Monate renoviert, saniert und umgebaut, um drei inhaltlichen Zwecken zu dienen: Theateraufführungen, Tagungen und Filmvorführungen unter einem Dach zu haben. Eine neue Heizungs- und Belüftungsanlage und der Theaterkeller entstehen. Akustik und Technik werden grundlegend erneuert, Stahlkonstruktionen und Eisenträger eingezogen, die Sitzreihen angehoben. Der Umbau zu einem „Kulturtempel“ wie es in der Presse hieß, kostete 2,3 Mio. DM.

Strukturelle Veränderungen in der Goslarer Kinoszene führen 1986 zur Aufgabe des anfangs ertragsbringenden Filmbetriebes. 1994/95 stehen Reparaturmaßnahmen im großen Saal samt Balkonbereichen und Bestuhlung an, wobei letztere nur aufgearbeitet wird. 1998 wird das Odeon durch eine Rampe für Rollstuhlfahrer und eine Behindertentoilette im Erdgeschoss barrierefrei. 1999 wird das Garderobenfoyer um eine zusätzliche Getränkeausgabe erweitert.

Seit 2004 werden nicht nur das desolate bauliche Erscheinungsbild, sondern auch die unzureichende Belüftung, die Heizung aus den 70er Jahren, die Feuchtigkeit im gesamten Gebäude und das undichte Dach bemängelt. Am 11. Juni 2007 findet ein Workshop unter der fachlichen Beratung durch Thomas Lang von der Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbüttel, statt. Ziel ist ein gemeinsam zu erarbeitender Aufgabenkatalog für das weitere Vorgehen. Neben den schon bekannten Mängeln unterstreicht der Experte den dringend zu ändernden „Bahnhofshallencharakter“ des Foyers und die „Schützenhausidylle“ des Theaterkellers, der an drei Tagen von der Tanzwerkstatt Benita Rohr angemietet und bei Schulklassenführungen benutzt wird, ansonsten aber keinen Anklang findet. Mit der Sitzungsvorlage 73/10 beschließt der Rat, ein Gutachten des Architekten Lindemanns einzuholen, um Möglichkeiten der multifunktionalen Nutzung auszuloten.

Seit August 2010 gibt es den eingetragenen Verein der „Freunde des Odeon Theaters“. Der Verein will sich für die Förderung eines Sprech- und Musiktheaters einsetzen, verbunden mit der gleichzeitigen Förderung des Laien-, Jugend- und Kindertheaters. Darüber hinaus sieht er seinen Vereinszweck in der Erhaltung/Restaurierung des Gebäudes, soweit dies im Rahmen der Denkmalpflege möglich ist. Zu Beginn der Spielzeit im September 2010 haben sich der „Bahnhofscharakter“ des Foyers und die „Schützenhausidylle“ des Theaterkellers in freundliche, kommunikative Orte gewandelt

Zum 01. August 2012 wure das Odeon-Theater aufgrund von anstehenden Brandschutz- und Sanierungsmaßnahmen geschlossen.